Samstag, 18. Oktober 2014

Furchtlose Rabauken



Elstern sind irgendwie wie furchtlose Rabauken. Sie raufen sich als Jungvögel untereinander, sie trotzen oft größeren Kollegen wie Raben- oder Saatkrähen und haben auch am wenigsten Scheu, wenn es ums Futter geht. Sie ziehen oft in größeren Gruppen los, um Futterquellen zu suchen. Bisher habe ich nur einmal eine Gruppe von ca. 20 Elstern gesehen. Sonst waren es meist eher die Altvögel und zwei oder drei Junge.

In Städten kommen sie immer häufiger vor und bauen ihre kunstvollen Nester in der Nähe von Parks, Kleingartenanlagen und manchmal auch direkt am Straßenrand.


Elstern sind wie Rabenkrähen auch Allesfresser. Wenn ich sie beobachte, frage ich mich immer wo sie ihre Nüsse, Schnecken oder alle die anderen Futtersachen verstecken. Leider konnte ich es noch nicht sehen, ob da auch manchmal das gut geschützte Nest mit dem cleveren Überbau dazu dient. Die meisten Rabenvögel verstecken ihre Nahrung in der Erde, in Hohlräumen von Bäumen oder Felsspalten. Der Eichelhäher vergräbt seine Eicheln und trägt unbewusst zum Erhalt der Eiche bei, da er nicht alle wieder findet. Oft werden einige Sachen sofort vor Ort gefressen, besondere Leckerbissen werden aber meist gut versteckt.


Bei meinen Beobachtungen stelle ich immer wieder fest, dass die Elstern am Futterplatz die gerissensten unter den Rabenvögeln sind. Sie legen ihre Scheu ab und lassen mich oft zwei bis drei Meter an sie heran. Sie kontrollieren aber immer meine Aktionen aus dem Augenwinkel. Manchmal tauchen sie minutenlang nicht auf, dann kommt kurze Zeit später ein Jogger, ein Spaziergänger oder Radfahrer. Die Elstern bemerken sie schon lange bevor ich sie sehen oder hören kann.. Rabenkrähen oder Dohlen sind von ihrer forschen Art weniger begeistert, denn sie haben mehr Angst vor dem Mann mit dem schwarzen Rohr. So kommen sie nur selten zum Zug, nutzen aber die Anwesenheit der Elstern, um dann auch Futter zu ergattern und fliegen dann aber sofort wieder weg. Die Elstern lassen sich alle Zeit der Welt und sammeln in aller Ruhe Futterkrümmel an Boden ein. Ich mag sie immer mehr, weil es einfach Spaß macht, ihre coolen Aktionen zu fotografieren und zu beobachten.





Mittwoch, 5. Februar 2014

Neues aus der Dohlenkolonie


Nachdem ich seit Wochen nicht mehr genügend Zeit zum Beobachten von Rabenvögeln hatte, war mein letztes Wochenende mal wieder ein Erfolg in jeder Hinsicht. Am Sonntag fuhr ich mit meiner Frau mal wieder zu meinen Lieblingsrabenvögeln. Die Dohlenkolonie im Norden von NRW ist zu jeder Jahreszeit ein Erlebnis, da dort ca. 80-100 Dohlen das komplette Jahr über zu beobachten sind. Für dieses Jahr hatte ich mir vorgenommen, Dohlen einmal über das ganze Jahr hinweg zu beobachten. Ich möchte mehr über Dohlen erfahren, sie bei den verschiedensten Handlungen unter die Lupe nehmen. Was mich zum Beispiel sehr interessiert ist, ob Dohlen ähnlich wie Kolkraben ihre Mitbewohner der Kolonie auf große Futtervorkommen aufmerksam machen oder sie an diesen Platz führen. 


Daher war ich auf die Dohlen schon auf der Fahrt dorthin sehr gespannt. Als wir ankamen, konnte ich schon vom Weiten die Dohlenpaare in der Luft sehen. Einige flogen in Richtung Kolonie und die typischen Rufe waren ebenfalls zu hören. Im Kerngebiet saßen sie dann fast überall paarweise und zum Teil mit dem gefundenen Futter beschäftigt. Die Geräuschkulisse ist immer wieder beeindruckend. Besonders dann, wenn anscheinend alle durcheinander rufen und plötzlich….absolute Stille. Dann der erste Flügelschlag und alle heben gleichzeitig zum Gemeinschaftflug um das Gebiet herum ab. Wie findet die Kommunikation statt? Gibt es besondere Rufe? Gibt es in der Hierarchie der Dohlen eine sehr dominante Dohle, auf die alle hören? Menschen bekommen solche gemeinsame Bewegungen nur mit viel Training und Konzentration hin. Bei den Dohlen oder auch anderen Vogelartenwirkt es so normal und einfach.


Forscher haben herausgefunden, dass die einzelnen Vögel nur auf ihre direkten Nachbarn achten und sich denen anpassen. Auch der gemeinsame Start, so ist meine Theorie, wirkt für uns deshalb so unglaublich, weil Vögel wesentlich schneller reagieren als Menschen. Gerade Dohlen reagieren im Flug so schnell auf unterschiedliche Windverhältnisse, so dass sie selten in Schwierigkeiten geraten.




Aber wer gibt den Startschuss, wer sagt dass es los geht? Darauf habe ich noch keine Antwort gefunden.

Hier noch ein paar interessante Links:
Die Macht der Augen 

Dohlen lesen in menschlichen Gesichtern

Laßt Dohlen sprechen

Dohlen kennen Nächstenliebe 

Gespür für menschliche Gesten