Sonntag, 13. Januar 2013

Winterfütterung und Verhaltensforschung


Über das Füttern von Vögeln ist schon eine Menge geschrieben worden, Peter Berthold (deutscher Ornithologe und Verhaltensforscher) und viele andere haben ganze Bücher darüber veröffentlicht. Dabei gab es oft unterschiedliche Meinungen und oft wusste der Leser nach drei Büchern nicht mehr was er tun sollte, da zu viele unterschiedliche Meinungen zu lesen waren.
Ich habe es über die Jahre bei meinem Vater beobachtet, denn er füttert, wie Berthold es beschreibt, das ganze Jahr über. An seinem Futterhaus tauchen Bergfinken, Grünfinken, Buchfinken, Kohlmeisen, Blaumeisen, Sumpf-Weidenmeisen, Tannenmeisen, Haubenmeisen, Amseln, Rotkehlchen, Feldsperlinge, Haussperlinge, Heckenbraunellen, Gimpel, Kernbeisser, Kleiber, Buntspecht und der Eichelhäher auf. Neulich war sogar ein Sperber zu Gast. Der ist aber eher selten dort zu sehen. Auch zwei Eichhörnchen besuchen das Futterhaus. Über das ganze Jahr lassen sich dort im Sauerland Singvögel und Greifvögel beobachten. Hier im Hochsauerland Kreis gibt es auch Dohlen, Elstern, Saatkrähen, Tannenhäher, Kolkraben und Rabenkrähen, neben dem hier recht häufig vertretenen Eichelhäher. 



Bei uns am Niederrhein in meinem Beobachtungsgebiet habe ich, bis auf Tannenhäher und Kolkraben, eigentlich auch die gerade aufgezählten Rabenvögel. Sie verhalten sich alle recht unterschiedlich am Futterplatz. Die Dohle ist im allgemeinen immer ziemlich vorsichtig. Sie fliegt die Futterstelle nur kurz an und verschwindet dann mit „einer“ ergatterten Beute. Sie nimmt, laut meinen Erfahrungen, fast immer nur ein Stück des ausgelegten Futters, was ist in einzelnen Fällen auch mal anders sein kann. Manchmal packt sie sich dann gleich zwei oder drei Stücke ein. Aber oft reicht ihr die Zeit nicht, weil die Dohle natürlich möglichst schnell wieder den Platz verlassen möchte.

Der Eichelhäher ist im Sauerland ruhiger als bei uns. Am Niederrhein lässt er sich ähnlich wenig Zeit um sich Futter zu nehmen. Er ist dabei nur nicht so hektisch wie die kleine Dohle.
Die Rabenkrähe ist recht unterschiedlich in ihrem Verhalten. Einige Jungvögel und die, die sich an die Fütterungen gewöhnt haben, verhalten sich verhältnismäßig ruhig. Die anderen halten großen Abstand zu mir. Eine regelmäßige Fütterung, für die ich leider nicht mehr die Zeit habe, würde sehr wahrscheinlich eine größere Annäherung beider Gruppen bewirken. Also die, die schon näher kamen, würde noch näher heran kommen und die, die scheu waren, würde schon recht nahe an mich heran kommen. Bei Fütterungen, die wirklich täglich und immer mit dem gleichen Ritual durchgeführt werden, lassen sich die Rabenkrähen sogar wie andere Singvögel aus der Hand füttern.
Die Saatkrähe, die am Rhein in Duisburg nicht in so großer Stückzahl erscheint, ist zwar vorsichtig, aber auch neugierig. Sie packt sich wie die Rabenkrähe auch den Schnabel voll, wenn es mal größere Mengen an Futter gibt. 



Bei meinen Beobachtungen der Rabenkrähe war immer eine Krähe dabei, die in der immer gleichen Körperhaltung rief. Nach meiner Meinung ein Zeichen, das auf eine größere Menge an Futter hinweisen soll. Denn wenn ich nur wenige Nüsse verfüttert hatte, blieb der Ruf aus. Außerdem stellte ich noch fest, das oft der Futterplatz relativ leer war. Hatte ich dann Futter in größerer Menge ausgelegt, tauchte eine kleine Gruppe auf. Komischerweise rief dann immer nur eine Krähe, so als wäre es ihre spezielle persönliche Aufgabe. Kurze Zeit später füllte sich der Platz, der nicht immer der gleiche und nicht immer von überall her einsehbar war, mit einer größeren Menge von Rabenkrähen. Dann, da hier eine große Versammlung zu sehen war, erschienen auch Elstern, Dohlen und auch Saatkrähen. Zufall oder rekrutieren Rabenkrähen ähnlich wie Kolkraben? (Siehe Buch von Bernd Heinrich/ Professor für Biologie und Verhaltensforscher) Von Januar bis März werde ich das genauer untersuchen.
Auch die gerade erwähnten Elstern haben am Futterplatz ihr eigenes Verhalten. Sie sind nach meinen Beobachtungen die Cleversten beim Futter aufnehmen. Wo die Dohle zu ängstlich herum tanzt und die Rabenkrähe noch zu vorsichtig abwartet, ist sie diejenige die sich das zu nutze macht. Sie kommt akrobatisch ins Geschehen hinein geflogen, checkt die Lage schon vorher aus der Entfernung ab und nimmt dann was in den Schnabel passt. Auch Videos im Internet bestätigen meine Beobachtungen. Sie sind dann oft zu zweit oder sogar in größeren Gruppen unterwegs. Immer häufiger beobachte ich sogar Gruppen von bis zu 20 Vögeln. Die Elster ist mit dem Eichelhäher einer der bunteren Rabenvögel. Ihre schillernden Federn zeigen grüne, gelbe, blaue, lila und kupferne Farbtöne, je nachdem wie das Licht auf ihr Gefieder trifft. Im Flug hatte ich sie als Kind oft beobachtet und für exotische Vögel gehalten. Meine Mutter hatte mir damals erklärt, das es heimische Singvögel sind. Auch heute denke ich oft, wenn ich sie sehe, das sie doch von ihrem Gefieder her , eher an Paradiesvögel erinnern. Ihr langer Schwanz, die Farben im Gefieder und ihr seltsamer Flug ist bei kaum einem anderen Vogel in Europa zu beobachten.
Selten sind Streitereien zwischen Rabenvögeln zu beobachten und wenn dann solche, die auch bei anderen Tieren vorkommen oder sogar bei uns Menschen zu beobachten sind. Denn Hunde lassen sich auch nicht gern ihr schon in Besitz genommenes Futter weg nehmen. Auch Menschen lassen sich beim Essen nicht gern stören oder denken wir nur mal über Futterneid beim Menschen nach. Nur Rabenvögeln wird das als extrem negativ angekreidet.



Wir denken bei solchen Sachen ja sowieso immer aus unserer eigenen Perspektive. So wie wir als Mensch dem ganzen gegenüber stehen. Intelligenz ist für uns z.B. Werkzeuggebrauch, wenn wir Dinge planen (Ein Versuch mit Neukaledonischen Krähen zeigte das sie eine Reihenfolge von Arbeitsschritten planen) oder wenn wir lesen können.
Rabenvögel benutzen auch Werkzeuge (Äste, Halme oder Blätter), wissen auch was zuerst gemacht werden muss, um an Futter zu kommen oder lesen auch Zeichen, die wir ihnen geben. (Gestik oder Verhalten beim Menschen) Sie lesen zwar nicht wie wir Buchstaben, sondern deuten Zeichen. Wir machen im Prinzip auch nichts anderes. Vielleicht wäre ein Rabenvogel nach intensivem Training auch dazu fähig, eine bestimmte Zeichengruppe zu unterscheiden. Nach einer weiteren Zeit und Schulung wäre er vielleicht sogar in der Lage unsere Schrift zu lesen. Man weiß es bis heute nicht, denn die Forschung in diesem Bereich steckt noch in den Kinderschuhen und wird vielleicht so richtig intensiv erst seit 20 bis 25 Jahre betrieben. Aber die Versuche in der Forschung sind meist ein anerlerntes Wissen. Was wissen und können sie ohne unser Zutun? Das finde ich eigentlich noch viel interessanter. Nur das kann man nicht in Forschungszentren erfahren. Da muss ein Forscher schon mal in den Lebensraum des Untersuchungsobjekts eindringen und sich dort so verhalten, das ihn die Vögel nicht bemerken. (Wie Bernd Heinrich) Als sehr interessant empfinde ich auch die Anpassung der Tiere, eben auch die der Rabenvögel an die Zivilisation, an die Städte. Dort leben sie und profitieren von unserem Leben im Überfluss und den Fehlern in der Konstruktion mancher Gebrauchsgegenstände. Zum Beispiel der von Mülltonnen, deren Deckel zu leicht sind und so vom Wind erfasst, geöffnet werden. Natürlich können ihn auch Rabenkrähen öffnen und so an Nahrungsreste heran kommen.
Aber nicht nur Rabenvögel sind in dieser Hinsicht kaum erforscht, auch andere Vogelarten wie die Singvögel sind bisher noch wenig untersucht worden. Ich bin gespannt was in den nächsten Jahren noch alles berichtet wird. Es wird uns vielleicht nicht nur erstaunen, sondern vielleicht sogar erschrecken, weil wir diese Tiere bisher als dumm bezeichnen?! 



Warum sind viele Vogelarten ausgestorben und gerade Rabenvögel haben es immer noch mal geschafft. Gut, menschliche Hilfe war seit den 90ern natürlich auch dabei. Aber sie wurden immer wieder in enormer Zahl abgeschossen und sind immer wieder in großer Zahl zurückgekehrt. Zufall oder doch eine enorme Intelligenz sich an neue Lebensbedingungen anzupassen?!

Christian Falk, 31.12.2012

Kommentare:

  1. Hello from Montreal, Canada. Your photos are beautiful.

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  2. Also erstmal ein großes Lob. Die Seite ist echt toll und die Stories und Bilder sind echt Klasse. Man freut sich immer sehr, wenn Menschen diese tollen Rabenvögel so zu schätzen wissen. Ich selber habe auch einen Schwarm, den ich schon seit längerem begleitet und bin für jeden Tag dankbar, wo sie mich laut rufend in ihrer Mitte aufnehmen und meine Nähe suchen. Leider gibt es Menschen, die sie bejagen und das ganz mies aus dem Hinterhalt. Warum tötet man Wesen, die einem selber doch so ähnlich sind?!

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  3. @ Linda: Thank you very much Linda
    @ Julia: Es gibt immer verschieden denkende Menschen, darum gibt es sie auch da wo wir etwas besonders schön finden. Aber mich freut es immer die zu finden, die genauso denken wie ich. LG Chris

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