Mittwoch, 6. Januar 2010

Eine Krähe als Freund

Ende November bin ich mit dem Ziel, die Rabenkrähen und vielleicht auch Dohlen auf einen umgestürtzen Baum zu locken, an den Futterplatz gefahren. Es war an diesem Tag noch relativ warm, als ich mit meinem Futter am Rhein ankam. Das Wasser stand schon sehr hoch und so waren Teile des Gebietes nicht begehbar. Ich suchte erst mal eine Stelle, die ideal dafür war eine große Gruppe anzulocken.
Nach wenigen Minuten kamen auch die ersten Schwatten angeflogen und nahmen sich ihr Futter. Auch mein Freund Alf flog bald an diese Futterstelle. Er nutzte wie immer geschickt meine Anwesenheit, indem er in meine Nähe kam. Dort war er vor den anderen sicher, die ihm sein Futter streitig machen wollten.


Ich ging dann immer weiter in Richtung Baum und legte dort in einem Astloch Erdnüsse aus.

Keine zwei Minuten später kam die ehemals schwanzlose Rabenkrähe, die ich mittlerweile wirklich in mein Herz geschlossen habe. Sofort nahm er eine Erdnuss, begann sie zu öffnen und futterte sie auf.

Für die anderen war dies eine neue Situation, ähnlich wie bei meinem Test mit dem Futter auf dem Stein (30cm hoch) dauerte ihre Annäherung sehr viel länger als sonst. Sie beobachteten "Alf" aus der sicheren Entfernung und wagten sich nur langsam näher heran. Zuerst nahmen sie nur Futter vom Boden, dann flog die erste Krähe hoch und schnappte in der gewohnten hopsenden Art und Weise eine Erdnuß vom Baum. Sofort flog sie aber auf einen für mich nicht erreichbaren Platz. Dort öffnete sie dann ihre Beute. "Alf" saß seelenruhig am Stamm, nahm sich eine Nuss nach der anderen und schaute nur selten in die Umgebung, um zu kontrollieren ob Gefahr drohte.

Irgendwann war die Futterquelle erschöpft. Ich mußte wieder ein paar Erdnüsse nachlegen, um die Krähen weiter beobachten zu können. Dadurch machten sich natürlich einige aus dem Staub, um in sicherem Abstand zu sehen, was der Mann, der immer Futter bringt, da macht.

Nun dauerte es nicht mehr so lange bis sie sich wieder an den Platz setzten. Nach einer Weile war dann auch mein Vorrat erschöpft und ich ging wieder zurück zur Straße. Den Rest schüttete ich dann an einer angrenzenden Wiese aus. Ich lief herüber an ein Geländer, hockte mich nieder und beobachtete die Krähen, wie sie das Futter aufnahmen.


Plötzlich kam eine direkt auf mich zugeflogen, nahm auf der Stange vom Geländer Platz und schaute mich an. Ich sah sofort wer mir da Gesellschaft leistete und sprach meinen Freund auch gleich an. Ich erzählte ihm so einige Sachen und er sah weiter zu mir, als würde er mir tatsächlich zuhören. Ihn so aus der Nähe zu betrachten, seine Bewegungen zu sehen und seine Blicke zu beobachten, war ein unglaubliches Gefühl. In diesem Moment hatte ich den Eindruck, ich würde mit einem Freund sprechen. Als es mir dann doch zu kalt wurde, verabschiedete ich mich von ihm und ging nach Hause. Er blieb auf der Stange sitzen und schaute mir hinterher. Ob er weiß das Menschen Kälte nicht so gern mögen?

Kommentare:

  1. Ich habe zu Hause ebenfalls Krähen und Elstern beobachtet und zwar etwas sehr Interessantes:
    Ich werfe etwas altes Brot auf die Wiese ca. 15 Meter entfernt. Die Krähe sieht das und kommt sofort geflogen, nimmt das Futter auf, fliegt damit ca. 50 Meter weg. In den nächsten par Sekunden fliegt ein Eichelhäer zur Krähe und schnappt der Krähe das weg ohne dass sie sich wehrt. Dann nimmt sich die Krähe das Futter wieder, so geht das einige male hin und her bis alles aufgefressen ist. Diese Spiel habe ich nun schon einige Male beobachtet. Manchmal fliegen sie auch einander nach und schnappen sich das Futter gegenseitig ohne Abwehr. Weis jemand was das für ein Verhalten ist?

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  2. Das hinter anderen her fliegen ist bei vielen Vögeln verbreitet, um an das Futter des anderen zu kommen. In diesem Fall war wohl keiner der beiden richtig dominant, so das das Futter auf beide verteilt wurde. Oder ging grundsätzlich einer der beiden Rabenvögel leer aus? Denn da werde ich aus der Beschreibung oben nicht ganz schlau.
    Auch bei Greifvögeln passiert so etwas schon mal. Wenn z.B. ein Kolkrabe einem Mäusebussard die Beute abjagt, verfolgt der Bussard den Kolkraben nicht unbedingt. Er denkt an den Aufwand das Futter zurück zu bekommen. Der ist oft größer, als sich eine andere Beute zu besorgen. So denken Rabenvögel eben auch manchmal. Wie gesagt, ihre Beobachtung ist nicht bei allen Vögeln gleich, denn oft wird, wie z.B. im harten Winter, um die Beute gekämpft.

    Gruß
    Christian Falk

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